Ich möchte euch noch einen kleinen Vergleich liefern, da ich weiß, dass unter meinen LeserInnen einige dabei sind, die auch überlegen sich den Norden anzusehen bzw. das Baltikum zu bereisen.
Zuerst zum Allgemeinen: 4 Städte in 10 Tagen war für mich schon etwas heftig, da ich mir ehrlicherweise schwer tue, mich auf Dauer unter so vielen Menschen aufzuhalten bzw. wohl zu fühlen. Ich finde zwar mit den 3 Nationalpark-Besuchen hat sich das ganze schon auch ausgeglichen, aber irgendwann kann man einfach keine neuen Eindrücke mehr verarbeiten und in Städten wirst du halt mit Eindrücken und Energien von anderen bombardiert. Im Gegenzug dazu habe ich kein Problem bis zu 6 Wochen lange Roadtrips mit Fokus auf Natur und Landschaft zu machen, wie es bei meinen Reisen nach Neuseeland, Patagonien, Kanada und der USA der Fall war oder eben auch die Safari in Uganda und die Expedition in die Antarktis. Also die beiden letzteren hätten für mich noch viel länger dauern können. Alles was mit Tieren zu tun hat ist genau meins, für solche Dinge bin ich weit aufnahmefähiger.
Aber prinzipiell würde ich es sofort wieder so machen, da die Wahl im Süden zu beginnen und sich in den Norden hoch zu arbeiten für mich die einzige stimmige ist. Von Vilnius hoch werden die Städte immer größer und ich denke, in der umgekehrten Reihenfolge würde Vilnius einfach nur untergehen, was ich schade finden würde, denn diese kleine Stadt mit ihrem eigenen Künstlerviertel hat genauso seine schönen Plätzchen.
Auch die Wahl der Transportmittel würde ich nicht ändern. Es lief alles problemlos und man kommt hier wirklich gut mit den Öffis herum, auch hier die Tendenz je nördlicher, umso besser. Also das Öffinetz von Helsinki ist ohnehin komplett durchdacht, aber dazu später mehr.
Wenn ich jetzt spontan sagen würde, was hat mir am besten gefallen, fällt es mir echt schwer. Deshalb werfen wir nochmal einen genaueren Blick darauf.
In Vilnius hat mir das eigene Künstlerviertel am besten gefallen, schon alleine die Idee dahinter finde ich einfach klasse und zeigt, dass die Leute prinzipiell humorvoll und auch etwas alternativ angehaucht sind. Auch wenn sie nach außen echt nicht besonders freundlich wirken.
Riga fand ich trotz dem sehr bescheidenen Wetter, das wir erwischt hatten und der etwas ungünstigen Lage unseres Hotels direkt am Marktplatz, echt schön. Mit seinen vielen Jugendstilbauten und des Aufbaus der Altstadt hat es mich schon überzeugen können. Was mir dort auch besonders gefiel, ich musste sehr selten mit dem Handy navigieren, da ich mich dort echt schnell zurecht fand. Die Freundlichkeit der Menschen war hier leider noch immer eher ein Fremdwort.
In Tallinn hingegen brauchte ich meine Handynavigation schon öfter, da die Gassen einfach so verwinkelt sind und auch die etwas hügeligere Lage störte meinen Orientierungssinn etwas. Ansonsten gefiel mir Tallinn echt gut mit diesem mittelalterlichen Flair. Auch die Menschen waren hier schon weit freundlicher, es wurde einem wieder ein schöner Tag gewünscht, wenn man Geschäfter betrat und auch der Busfahrer, den wir erwischt hatten war super hilfsbereit. Nicht zu vergessen die drei Russinnen auf der Bushaltestelle.
Helsinki hat natürlich am meisten von den vier Städten zu bieten und ist finde ich auch somit etwas schwierig in dieses Ranking mit einzubeziehen, aber ich mache das jetzt trotzdem. Das Öffi-Netz ist echt super und ich habe mich auch hier schnell zurecht gefunden und nicht viel navigieren müssen. Vor allem mit der U-Bahn kam ich dann schnell klar, aber es gibt ja auch nur eine, also war nicht wirklich eine Schwierigkeit gegeben. Die Straßenbahnen hingegen verwirrten mich schon etwas, aber das tolle hier ist, es gibt eine eigene App (HSL), wo man sich jegliche Tickets für alle möglichen Zonen besorgen kann und auf dieser kannst du auch deine gewünschte Route eingeben und sie schlägt dir den besten Weg vor inklusive Zeitangaben der nächsten eintreffenden Verkehrsmittel. Diese stimmten auch wirklich, also so auf die Art wie die ÖBB App, nur viel übersichtlicher und einfacher aufgebaut. Mein Lieblingsgebäude hier ist definitiv der Bahnhof, die Menschen sind extrem freundlich und auch das Essen haben wir super erwischt. Natürlich ist Finnland definitiv auch das teurere der vier Länder gewesen. Kleiner Sidefact: als meine Mama mit meinem Papa telefonierte, der in seiner Jugend mal mit dem Zug hier war, konnte er sich heute noch an das erste Schild am Bahnhof erinnern: Rautatientori bzw. Järnvägstorget. Für mich echt bewundernswert.
Nun zum Ranking:
- Tallinn - Helsinki
- Riga
- Vilnius
Mir fällts echt schwer zwischen Tallinn und Helsinki zu wählen. Deshalb bekommen beide den ersten Platz.
Noch ein Punkt zur Sauberkeit der Länder, also hier war ich echt auch sehr positiv überrascht, da es in Städten ja oft dreckiger ist. Dies war hier gar nicht der Fall im Gegenteil Tallinn und Helsinki waren sehr sauber. Wobei sogar die ganzen U-Bahn Stationen und das unterirdische Tunnelnetz in Helsinki echt rein wirken. Man hat hier nie das Gefühl gehabt sich unwohl zu fühlen, auch als Alleinreisende würde ich mir in keinem der Länder etwas denken.
Also mein abschließendes Fazit: Ich würde die Reise auf jeden Fall auf diese Art und Weise weiterempfehlen. Ich finde auch die Anzahl der Tage, die ich für die jeweiligen Städte eingeplant hatte, war ausreichend um einen Eindruck zu bekommen und auch gleichzeitig noch Zeit zu haben die Abstecher in die Nationalparks zu machen. Also die würde ich auch alle so empfehlen, da man halt zusätzlich einen Eindruck bekommt, wie diese Länder landschaftlich geprägt sind. Wer natürlich gerne ebenso ganz viel Museumsbesuche in sein Programm einplanen möchte, sollte vermutlich mehr Zeit einberaumen.
Ich war auch echt dankbar für die gemeinsame Reise und stolz auf meinen Mama, dass sie trotz ihrer momentanen noch etwas schwächeren Verfassung mit mir in den 10 Tagen 240.000 Schritte, was zirka 160km entspricht, zurück gelegt hatte und das zum Großteil auf Pflastersteinen.
Somit habe ich nun den ganzen Norden in Europa genauer unter die Lupe genommen. Ein paar Länder fehlen mir noch wie der Kosovo, die Ukraine, Weißrussland, Russland und Moldawien. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob ich diese überhaupt besuchen werde. Meine nächste Reise steht schon in 5-6 Wochen an, wieder ein kurzer Städtetrip in eine europäische Hauptstadt, bis dorthin bin ich dann hoffentlich wieder aufnahmefähig für neue Eindrücke.




