Nach nächltichen Zuggeräuschen in Vilnius, Marktplatz-Lärm in Riga, gabs in Tallinn Möwenrufe. Irgendwie freue ich mich schon wieder auf mein Vogelgezwitscher zu Hause. Wir starteten zeitig vom Hotel weg und marschierten in die Innenstadt, wo wir zuerst ein paar Aussichtsplattformen besuchten und die menschenleeren Gassen genossen.












Auch die Alexander-Newski-Kathedrale besichtigten wir von innen, wo wir wieder bei einer „Messe/Zeremonie“ zusehen konnten.


Anschließend kämpfte ich mit einer Art Slackline, wo sich mein Ehrgeiz wieder Mal hervortat. Ließ mir keine Ruhe bis ich einmal ohne runtersteigen rüber kam.
Danach war unsere nächste Freewalking Tour an der Reihe. Diesmal hatten wir einen männlichen ganz jungen Guide, der sich sehr bemühte, seine Stimmlage und sein Fokus auf die geschichtliche Seite Tallinns mich aber immer wieder in Gedanken abschweifen ließ. Ich konnte ihm einfach nicht so gut folgen, wie den vorherigen. Vielleicht lag es aber auch an der Gruppenzusammensetzung, wir waren fast 30 Leute mit 4 kleinen Kindern, die mich teilweise auch meine Aufmerksamkeit bekamen.
Nichtsdestotrotz teile ich ein paar Geschichten mit euch, die ich aufschnappen konnte. Also grundsätzlich lief es hier ja ähnlich ab wie in den beiden anderen Ländern, zuerst die baltischen Germanen, dann kamen auch mal die Dänen, die Schweden und die Sowjets. Zwischen 1918 und 1920 erlangten sie die erste Unabhängigkeit, wobei ihre Deomkratie 1934 von ihrem damaligen Staatsoberhaupt, der noch gerne länger regieren wollte, in eine autoritäre Führung umgewandelt wurde. Diese dauerte bis zum 2. Weltkrieg an. Anschließend kamen die Nazis und dann die Sowjets, welche bis 1991 an der Macht waren. Die bereits genannte Menschenkette ermöglichte auch hier die erneute Unabhängigkeit. Das Monument auf diesem Platz hier, welches einem russischen Kreuz ähnelte, kostete stolze 8 Mio Euro, ursprünglich mit 2 Mio geplant, da hatten sie sich wohl etwas verkalkuliert.




Auch über die Bedeutung der Farben see estnischen Flagge erfuhren wir, dass sie sich quasi von einem typischen Winterlandschaftsbild Estlands ableiten ließen. Weiß = Schnee, Schwarz = Wald, Blau = Himmel
Allgemein wäre die estnische Bevölkerung dank der letzten Besatzung der Sowjets sehr unreligiös, da diese nicht viel von Religion hielten. Während des 2.Weltkriegs wurden viele Gebäude unter anderem auch Zivilgebäude zerstört, Tote gab es zum Glück weniger, da diese sich in unterirdischen Tunneln in Tallinn verstecken konnten.





Dann stoppten wir vor einer Karaokebar, wo uns erklärt wurde, dass die Estländer gerne singen würden, aber eben auch die Finnen. Helsinki liegt nur 2h per Fähre entfernt. Da in Finnland der Alkohol um einiges teurer ist als in Estland, kommen diese oft zum Feiern herüber und diese lieben eben auch das Karaoke singen.


Auch die Estländer begraben ihre Toten in den Wäldern, ihre Sprache besitzt keine Präpositionen, dafür 14 Fälle. Er erklärte uns auch 3 Wörter, Danke = Aitäh, Nachtleben = ööelu und Hallo = Tere. Interessante Sprache, aber japanisch gefällt mir da doch um einiges besser.




Salz sei eines ihrer wichtigsten Handelsgüter und vor allem dunkles Brot und verschiedene Eintöpfe finden in ihrer Küche Platz.
Einen Blumenmarkt gibt es hier auch der 24/7 offen sein soll, damit die Männer, die zu tief ins Glas geschaut haben und zu spät nach Hause kommen zumindest noch Blumen als Wiedergutmachung mitnehmen konnten. Da hätte ich in einer meiner früheren Beziehung oft Blumen bekommen müssen...


Nach der Stadtführung füllten wir unseren Bauch mit Palatschinken und einem Omlette. Das Lokal hatte mir eine Freundin empfohlen, die vor über 10 Jahren hier ein Auslandssemester absolvierte. Auch der Guide hatte es nochmal extra erwähnt. Es war dort richtig viel los, so dass wir kurz auf einen Tisch warten mussten, aber es hat sich auf jeden Fall ausgezahlt. Ich traute mich über eine saure mit Käse-Knoblauch Füllung, für meinen Geschmack etwas zu viel Fülle, aber es gab Brot dazu. In Summe war es wirklich sehr lecker.


Anschließend fuhren wir mit der Straßenbahn zum Kadriorg Park. In der Bim kann man einfach mit der Kreditkarte kontaktlos beim Einsteigen bezahlen. Soweit ich das verstanden habe, gilt das dann für eine Stunde herumfahren. Im Park liefen wir etwas in einem japanischen Garten herum. Also ich war zwar leider noch nicht in Japan (steht noch auf meiner Liste), aber mit Japan hatte das denke ich nicht viel zu tun.




Danach marschierten wir zur Küste, wo wir genau ein Stück Sandstrand erwischten. Da war Mama in ihrem Element. Es wurden Muscheln, Steine und Glasscherben gesammelt, die sie zu Hause dann zu Kunstwerken verarbeitet. Trotz des frischen Wetters (wir hatten um die 18°C heute) liefen wir beide Barfuß herum, wenn ich ans Meer komme, dann müssen auch zumindest die Zehen ins Wasser. Das Wasser war sogar angenehm und im Vergleich zur Außentemperatur warm.






Nachdem meine Mama genug gesammelt hatte, liefen wir zurück in die Altstadt, wo wir noch eine paar Shops unsicher machten, bevor wir wieder zurück ins Hotel marschierten. Hier hatte ich noch zu planen wie wir am nächsten Tag zu einem Nationalpark per Bus gelangen sollten, bin schon gespannt, ob das so funktioniert wie ich mir das vorstelle. Für diesen hatte ich den Tipp von einer ehemaligen Schulkollegin bekommen, Tipps von persönliche Erfahrungen anderer sind bekanntlich die besten. Achja die haben hier auch ganz eigenen Chipssorten-Geschmäcker wie zum Beispiel mit Pfifferlingen, unsere gewöhnlich nur gesalzene Chips findet man kaum.
Hier noch ein paar Eindrücke vom Hotel:






Zur Abwechslung hieß es mal früh aufstehen, denn wir verließen schon kurz vor 6 Uhr das Hotel, um rechtzeitig um halb 7 auf der richtigen Bushaltestelle zu stehen. Ich hatte mich anfangs auf die KI verlassen, aber das war mir eine Lehre, hierfür funktioniert mein Hirn doch noch besser. Wir liefen einmal im Kreis um einen Block herum, bis wir dann schlussendlich kurz vor halb 7 an der richtigen Haltestelle ankamen. Der Busfaher war sehr zuvorkommend und erklärte uns, wir müssten die Hand heben, wenn wir an der Haltestelle stehen, um auf uns aufmerksam zu machen. Auch auf die Gurtfplicht im Bus wies er uns sofort hin. Wir bezahlten ingesamt 8€ für die Fahrt in den Lahemaa Nationalpark, die eine Stunde dauern sollte. Der Fahrer sprach kein Englisch aber ein paar Brocken deutsch brachte er zusammen.
Während der Fahrt bekamen wir einen Eindruck von der estländischen Landschaft, viel Grün und viel Wald. Im Nationalpark kamen wir dann schon gegen halb 8 an, was sich als perfekt herausstellen sollte. Wir waren fast alleine auf den Moorpfaden unterwegs. Das war so richtig entspannend. Diesmal hatten wir auch Glück mit dem Wetter, es war zwar frisch, aber die Sonne schien uns ins Gesicht, was die 13°C gleich wärmer fühlen ließ.






Es gab auch hier einen Aussichtsturm und in der Mitte der Stege war eine extra angelegte Badestelle verfügbar. An dieser hielten wir am Rückweg für eine Zeit lang, bis eine größere Gruppe ankam, die sich ins kalte Nass wagten. Da war uns der Lärm dann zu viel und wir liefen zurück Richtung Bushaltestelle.










In Estland gibt es übrigens bis zu 520 verschiedene Spinnenarten wovon 200 hier im Moor vorkommen würden. Auch die fleischfressenden Plfanzen konnten wir wieder entdecken. Die Moskitos hielten sich zum Glück auch hier in Grenzen.




An der Bushaltestelle hatten wir noch gut 1,5h Zeit zu warten, der Bus fuhr hier nur 5mal am Tag. Doch wir sollten nicht lange alleine bleiben. Es kamen drei ältere Damen vorbei, die von ihrer Preiselbeeren-Ernte zurück waren und setzten sich neben uns auf die Bank. Es stellte sich heraus, dass sie russischer Herkunft waren. Die eine begann sogar zu weinen als sie erfuhr, dass wir aus Österreich kamen. Sie gab mir eine Hand voll Preiselbeeren und erklärte mir irgendetwas mit den Fingern, ich bin mir nicht sicher, ob sie im Krieg jemanden verloren hatte oder sie an diese Zeit einfach noch schlechte Erinnerungen hatte. Kurz bevor der Bus eintraf mehrten sich die zusteigenden Passagiere auf der Haltestelle mit anderen Touristen.


Ich war heilfroh als wir endlich im Bus waren und unser Ausflug so gut geklappt hatte. Der Bus war zwar gesteckt voll, so dass nur meine Mama einen Sitzplatz erwischt hatte, aber die Steherei war mir vollkommen egal.
Zurück in Tallinn betrachteten wir noch eine alte Apotheke, die ein kleines Pharmazie Museum dabei hatte.




Anschließend warfen wir noch einen Blick auf die drei Schwestern. Genauso wie in Riga, die drei Brüder, gab es hier drei aneinandergereihte Häuser, die sie als die drei Schwestern bezeichneten. Nicht ganz so imposant wie diese in Riga, muss ich schon zugeben.


Danach war es Zeit für eine Verschnaufpause in einem indischen Lokal. Kein Urlaub ohne Besuch beim Inder, wenn nur irgendwie möglich, denn ich bin noch nie enttäuscht worden von deren Küche und das sollte auch diesmal nicht der Fall sein.



Abschließend liefen wir durch die gemütlichen Gassen und machten noch einen Stop in einer Bar, die mit lauter Labor Utensilien voll gepackt war. Klar, dass ich hier nicht ohne Stopp vorbei gehen konnte. Die Getränke wurden nur als Shots in Eprouvetten verkauft, wobei ich mir einen Ständern mit “Propan“ gönnte, war im Endeffekt Gin, mit Tonic und Blue Curacao. Da gerade Happy Hour war, hat sich das wirklich ausgezahlt und den Gag war es auf alle Fälle wert.







Danach gings zu Fuß zurück ins Hotel, wo es an der Zeit war die Koffer für morgen zu packen. Denn morgen hieß es wieder früh aufstehen, wir mussten schon vor 6 Uhr bei unserem Fährterminal sein, wo uns eine Fähre nach Helsinki bringen würde.
Ich lief dann noch einen kleinen Abendspaziergang, um für morgen auszukundschaften, zu welchem Fährterminal wir genau mussten. Dabei konnte ich noch einen Sonnenuntergang am Meer betrachten.



Mein Fazit zu Tallinn: eine echt lässige Stadt, die definitiv hügeliger als Riga ist, ansonsten fand ich sie jedoch relativ gleich cool. Tallinn hat noch den Vorteil das die Estländer weit freundlicher waren und es gibt hier viel mehr Bars. Also eigentlich wäre das die optimale Stadt für einen unsere Mädsltrips.




