Zeit um Vilnius zu verlassen und nach Riga per Bus aufzubrechen. Das Wetter begrüßte uns heute Morgen mit ein paar Regenschauern, aber wir wussten bereits das heute der hoffentlich schlechteste Tag werden würde und waren darauf eingestellt.
Nach dem Checkout marschierten wir mit unseren Koffern zum 2min entfernten Busbahnhof, das Quartier war wirklich optimal gelegen für unsere Wahl der Reisemittel. Die Busfahrt nach Riga dauerte 4h und verlief total entspannt. Während der Fahrt regnete es in Strömen und auch als wir in Riga ausstiegen wurden wir von sturzbachartigen Regengüssen begrüßt. Zum Glück war unser Quartier nur 5min zu Fuß entfernt, doch diese reichten, um ordentlich nass zu werden.
Unser Hotel lag direkt hinter dem Central Market auf dem wir quer durch mit unseren Koffern marschierten. Mich erinnerte das Quartier schon stark an Osteuropa, aber die Rezeptionsdame war freundlich und unser Zimmer war bereits bezugsfertig, was uns beide sehr freute. So konnten wir uns trocken legen und die größeren Schauer abwarten. Gegen halb 2 sollte es besser werden. So nutzten wir die Zeit zum Entspannen und Lesen. Das Zimmer war eher klein gehalten, die Wände waren sehr dünn, aber es war sauber und sollte den Zweck für die nächsten beiden Nächte erfüllen. Nur die Gerüche waren etwas fragwürdig, am Gang rochs nach asiatischem Restaurant und im Zimmer nach Flughafen Parfüm Abteilung.





Gegen halb 2 wagten wir uns dann hinaus, es regnete zwar noch immer, aber bereits weit weniger. Zuerst liefen wir auf dem Central Market etwas herum, der sich in einen Außen-und Innenbereich aufteilte. Anschließend marschierten wir in die Altstadt, welche auch nur gut 15min entfernt war.




Dort angekommen, begaben wir uns zuerst in die Gegend der Jugendstilbauten. Zu unserem Glück hatte es mittlerweile aufgehört zu regnen. Während der Busfahrt hatte ich nämlich schon zwei Wetterwarnungen aufs Handy bekommen, bezüglich Starkregen und später starker Windböen. Aber so leicht lassen wir uns nicht abhalten vom Sightseeing.





Der erste Eindruck von Riga war trotz der Wetterlage wirklich sehr positiv, gefiel mir auf Anhieb besser als Vilnius. Die engen Gassen, die Pflastersteine und alten Bauten machten auf mich einfach einen sehr gemütlichen und entspannten Eindruck.










Am späten Nachmittag als es wieder zu regnen begann, machten wir unsere Versorgungspause, wo es Hendl für Mama und diesmal Pizza für mich gab. Während unserer Pause, begann es wieder heftigst zu schütten, wir hatten echt Glück mit unserer Zeiteinteilung.



Anschließend war es an der Zeit für unsere nächste Freewalkingtour mit unserem heutigen Guide - Christa. Sie führte uns durch die gesamte Altstadt und erklärte uns einiges über die Geschichte Rigas und die Eigenheiten der Letten. Unter anderem erfuhren wir, dass Riga quasi schon immer als Handelsstadt interessant war aufgrund ihrer Lage an der Ostsee, aber auch der Nähe zu Russland. Das führte auch dazu, dass Lettland von verschiedensten Staatsoberhäupten eingenommen wurde - Deutschland, Polen, Schweden, Sowjetunion...Die alle hatten ihre Finger mit ihm Spiel. Dadurch kommt auch der verschiedene Einfluss der Bauten bzw. auch der Sprachen hier zu stande. In den Kirchen würde man teilweise deutsche Beschreibungen finden, viele der Menschen hier würden noch russisch sprechen, da die endgültige Unabhängigkeit erst 1990/1991 erreicht wurde.




Seither ist Lettland endlich unabhänig, dies wurde vor allem durch die damalige Aktion der Bevölkerung aus Litauen, Lettland und Estland erreicht, die eine über 600km lange Menschenschlange von Vilnius nach Tallinn bildeten. Das geschah genau am 23.8.1989, somit wird morgen dieser Tag hier gefeiert.



Auch die Letten wurden als kühl und zurückhaltend beschrieben, was hauptsächlich auf Vertrauensprobleme zurückzuführen sei, die durch die ständigen Besatzungszeiten zu Stande kamen. Auch hier wird dieses Motto gelebt: „smile from the inside“.
Auch das Haus der drei Brüder wurde uns gezeigt, wobei es sich um drei aneinander gebaute Häuser mit unterschiedlichen Baustilen handelt. Die Stadtmauer, die wir teilweise auch erblicken konnten, wurde in Riga genutzt um weitere Häuser zu erbauen, sie dient dann quasi als Rückwand oder Seitenwand. Allgemein merkt man den deutschen Einfluss mit den Backsteinen schon stark.



Christa versuchte auch Werbung für ihr Land zu machen, da sie dringend Zuwachs benötigen würden. Auf 1 Baby würden 3 Tote kommen. Mehr als 50% Lettlands sind mit Wald bedeckt und man findet außerhalb Rigas sofort seine Ruhe. Also für alle Introvertierten, die die Hitze und Trockenheit in Österreich satt haben, hier findet ihr bestimmt eure Ruhe und Abkühlung und Regen bekommt ihr auch genug.




Den Jugendstil erklärte sie uns so: wenn man zu viel Geld hatte, wurde es genommen und einfach in die Fassade befördert. So entstanden die verschiedensten Figuren, welche an den Fassaden zu finden sind. Von uns Normal-Sterblichen kann sich das ja keiner mehr vorstellen, bei uns ist man ja mittlerweile froh, wenn das Haus steht, die Fassade wird oft erst Jahre später angegangen.



Der lettische Nationalsport ist Eishockey. Bei Fußball würden sie nur die Regeln kennen und Wintersport mit Bergen könne man sowieso vergessen, da die höchste Erhebung hier nur gute 300hm misst. Im Dom befindet sich eine der größten Orgeln Europas mit 6718 Orgelpfeifen.
Auch die Bremer Stadtmusikanten konnten wir entdecken, welche eine Geschenk aus Bremen waren, da diese mit Riga gute Handelsbeziehungen führten. Hier sollen sie darstellen, wie sie durch den Eisernen Vorhang durchbrechen. Es soll Glück bringen die Tiere an den Schnauzen anzugreifen, mal schauen, ob das wirklich hilft.






Den Abschluss machten wir bei der lettischen Freiheitsstatue, welche 3 Sterne nach oben hält. 3 Sterne für die drei lettischen Regionen, als die Russen Lettland eingenommen hatten, waren die drei Sterne ein Symbol für die drei eingenommenen baltischen Staaten. So kann man sich alles irgenwie zu recht rücken.
Nach der wirklich sehr informativen Führung, bei der es glücklicherweise nur zeitweise zum Nieseln begonnen hatte, begaben wir uns nochmal zum Rigaschild bevor wir schlussendlich bei strömendem Regen und starker Windböen den Heimmarsch antraten.


Zurück im Hotel waren wir schon ordentlich durchnässt. Aber heilfroh, dass der Tag doch noch so ausgehalten hatte, denn nun ging es erst so richtig los. Teilweise hatten wir das Gefühl das Dach fliegt uns bald um die Ohren, erinnerte mich stark an die Nächte im Camper in Patagonien. Also waren die Wetterwarnungen, die ich tagsüber aufs Handy erhalten hatte, wohl doch berechtigt.
Die Nacht war echt durchwachsen, aber zum Glück ließen der Wind und auch der Starkregen morgens schon etwas nach. Nichtsdestotrotz begaben wir uns mit unseren Regenponchos bewaffnet zum Abholpunkt für unsere heutige Tour. Unsere Schirme hielten den starken Windböen gerade noch stand, man fühlte sich teilweise echt wie Mary Poppins, so kurz vorm Abheben. Am Weg zum Kathedralplatz, wo wir für die heutige Tour abgeholt werden sollten, trafen wir auf eine ältere etwas schrullige Dame, die mich bat ein Foto von ihr zu schießen. Es stellte sich heraus, dass sie auf der selben Tour mit uns war. Sie kam aus Rumänien und im Laufe des Tages kristallisierte sie sich eher als anstrengende dauernd ein Foto von sich wollende Kettenraucherin, also so gar nicht unser Fall. Vor allem waren wir den Großteil der Zeit in einem Nationalpark unterwegs und sie ignorierte das Rauchverbot wehement. Wir würden definitiv keine Freunde mehr werden.


Die Tour ging mit einem kleinen 9Sitzer Bus von Riga Richtung Küste in den Kemeri Nationalpark. Dort angekommen wanderten wir 2h in einem Moorgebiet hauptsächlich auf angelegten Holzpfaden herum.



Das Wetter war leider eher stürmisch und von Nieselregen geprägt, aber bei dem Unwetter der letzten Nacht waren wir froh, dass die Tour überhaupt stattfand. Denn überall lagen Äste bzw. teilweise auch umgefallene Bäume auf den Straßen und auf den Häusern. Wir konnten echt dankbar sein, dass der Sturm in der Nacht wütete und nicht tagsüber, sonst hätten wir das Zimmer hüten müssen.






Die Wanderung im Moor war recht entspannend, wir erfuhren, dass hier Schwarzstörche zu finden seien. Auch an einem Friedhof kamen wir vorbei. Letten würden ihre Friedhöfe typischerweise in Wäldern anlegen.


Die Bäume hier im Moor seien alle uralt, wir sollen uns nicht von ihrer Größe täuschen lassen. Sie würden hier zu wenig Mineralien bekommen und werden deshalb nicht größer.


Auch fleischfressende Pflanzen konnte meine Mama entdecken.





Nachdem wir gut 2h im Moor unterwegs waren hatte es zum Glück für den restlichen Tag aufgehört zu regnen, nur der Wind blieb uns bis am Abend erhalten. Weiter ging die Fahrt nach Jurmala, diese Stadt hat eine stolze Länge von 3okm und besitzt 14 Bahnhaltestellen.





Wir betrachteten auch zwei Kirchen dort, eine lutheranische und eine christlich-orthodoxe Kirche. Der damalige Zar erlaubte den Bau der lutheranischen erst, wenn die orthodoxe errichtet sei. Somit halfen die Luther Befürworter beim Bau der anderen Kirche mit, um schneller zu ihrer eigenen zu gelangen. Die orthodoxe wurde aus Holz ohne einen einzigen Nagel erbaut, unser Guide meinte, wir könnten mit einem Magneten nach Nägeln suchen, das brachte bei mir sofort Baustellen Erinnerungen hoch, als wir auf den Rigipsplatten nach den Schrauben suchten, also das tue ich mir hier sicher nicht an. Die lutheranische Kirche wurde von einer freundlichen Dame betreut, die uns sogar bis zur Glocke hochkraxeln ließ - sie stieg die enge Treppe mit High Heels hoch - bewundernswert.




Anschließend brachte uns unser Guide in die Nähe der Ostsee, wo wir 2h Freizeit zur Verfügung hatten. Die nutzten meine Mama und ich natürlich um am Meer spazieren zu gehen. Dort verbließ uns fast der Wind und die Möwen hätten uns am liebsten aufgefressen. Ich habs ja echt nicht so mit fliegenden Vögeln, also Pinugine sind mir hier weit lieber. Kleiner Sidefact, mich hat als Kind einmal ein großer Greifvogel auf der Rosenburg gestreift, seitdem habe ich ein kleines Vogeltrauma.








Zum Abschluss betrachteten wir noch eine Kirche und schlenderten bei einigen Souvenirshops durch. Die Fahrt zurück nach Riga dauerte eine halbe Stunde.
Dort angekommen wurden wir von teilweise blauem Himmel überrascht, die Sonne hatte sich echt Mühe gegeben, um uns den Tag noch zu verschönern.


Wir gönnten uns zum Abschluss noch ein Knoblauchbrot und Süßkartoffelpommes. Ersteres sei hier etwas typisches und war auch echt lecker. Auch die Happy Hour musste ich heute mal nutzen. Sonst sind die Preise hier nämlich eh ganz schön stolz. Der Sprit kostet übrigens genau soviel wie bei uns.




Danach wollte wir uns eigentlich auf den Heimweg begegeben, aber wir entschieden uns dann doch noch auf den Kirchenturm der St. Peters Church zu wagen. Der Ausblick war den Eintritt auf jeden Fall wert.






Dann marschierten wir zurück ins Quartier, wo es langsam zusammen packen hieß, denn Morgen sollten wir uns mittags auf den Weg nach Tallinn begeben.
Unsere Nachtruhe war geprägt vom Lärm der Händler des Central Markets. Wir wohnten ja quasi wirklich direkt auf dem Markt, aber das half uns nur noch früher freiwillig aus dem Bett zu kommen. Dann hieß es erstmal zusammen packen und auschecken.




Anschließend marschierten wir noch einmal in die Altstadt, wo wir in einer christlich-orthodoxen Kirche zu einer "Messe/Zeromonie" zurecht kamen - war ganz spannend anzusehen.



Da wir nicht mehr wirklich Lust hatten auf einen Museumsbesuch, entschieden wir spontan unsere verbleibende Zeit mit einer Bootsfahrt zu verbringen. Hier erfuhren wir, dass die Hallen des Central Marktes aus deutschen Luftschiffhangern umgebaut wurden. Deshalb erinnern sie irgendwie ans Militär.
Bis auf die dänischen Passagiere, die dauernd plapperten, war die 1stündige Tour sehr entspannend.






Am Weg zurück liefen wir am Wasser entlang, wo wir noch eine Art Bisamratte entdecken konnten.




Abschließend gingen wir noch einmal zu den drei Brüdern, um dort einen Blick ins kostenfreie Architekturmuseum zu werfen, wobei wir auch auf zwei Musikanten trafen.





Dann liefen wir zurück ins Hotel, holten unser Gepäck ab und machten uns auf den Weg zum Bus-Bahnhof, wo um halb 3 unser Bus Richtung Tallinn abfahren würde.
Die Busfahrt war etwas anstrengend, da wir direkt hinter uns zwei junge deutschsprachige Damen hatten, welche in einer Tour wirklich alles kommentierten. Da halfen nur die Airpods und laute Musik für etwas Ruhe.
Gegen 19:00 Uhr landeten wir in Tallinn direkt am Hafen, wo wir in 5min zu Fuß in unserem Hotel waren. Wunderschöner Ausblick des Zimmers auf eine Baustelle, die gerade die Decke betoniert hatten, da kamen gleich die Erinnerungen ans Eisen binden hoch. Heute stand nichts mehr am Programm, morgen wird dann die Stadt unsicher gemacht.









