Es war endlich wieder an der Zeit mit meiner Mama in den Flieger zu steigen und eine bzw. diesmal gleich mehrerer europäischen Städte unsicher zu machen. Ziel war das komplette Baltikum inklusive Helsinki und das in 10 Tagen. Klingt nach einem klassischen Laura Programm, ja, aber zu meiner Verteidiung habe ich diesmal viel entspannter geplant, um meine liebe Mama nicht gleich zu überfordern. Denn wir hatten ja auch etwas nachzuholen, da wir im letzten Jahr zu einer gesundheitlichen Pause gezwungen waren, umso mehr freute es uns als die Reise losging.
Nach einer für mich verdammt kurzen Nacht, da ich noch für den 30iger von Alex, Fotos, Plakat und Geschenk heimlich vor der Wohnung positionieren wollte, brachte uns mein Papa, um halb drei zum Flughafen. Wir hatten einen frühen Flug, wobei ich Ryan Air als Airline gewählt hatte. So viele Möglichkeiten standen nach Vilnius jetzt ohnehin nicht zur Auswahl. Unser Flug war der einzige auf der Anzeigetafel bei dem es keine Gate Info gab und auch keinen Hinweis dafür, wann diese Info kommen sollte. Da kamen meine ersten Bedenken, da ich bekannter Weise ja schon so einige Vorfälle mit stornierten Flügen hatte, doch diese waren zum Glück schnell beseitigt als das Gate eine knappe Stunde vor Abflug schlussendlich erschien. Einchecken und Securitycheck verliefen problemlos und schnell, so wie ich es von Wien gewohnt bin. Vor Abflug sicherte ich mir noch eine Mangobowl bei meinem Flughafen Stammlokal und dann gings schon Richtung Gate.
Ein Sonnenaufgang vom Flieger aus, belohnte unsere kurze Nacht. Der Flug verlief komplikationslos und auch die Landung bei Nieselregen in Vilnius war akzeptabel. Am Flughafen angekommen, wartete unser Gepäck schon auf uns am bereits abgestellten Gepäckband. Das ging hier noch schneller als ins Wien, aber in Vilnius landen bestimmt auch weit weniger Flieger.


Unsere erste Herausforderung war mit dem Zug in die Innenstadt von Vilnius zu gelangen. Wir marschierten zum Bahnsteig, der sich etwas außerhalb des Flughafens befand, wo es nur einen Gleis gab und der Zug auch nur 1mal pro Stunde ging. Da dieser kurz vor uns abgefahren war, wurden wir somit zur ersten Pause gezwungen. Die Fahrt selbst dauerte dann nur 7min.
Unser Quartier lag gleich neben dem Bahnhof, sodass wir unsere Koffer nicht weit schleppen mussten. Unser Hotel befand sich im vierten Stock und ja es gab nur den Aufzug um hoch zu kommen, aber ich habs geschafft, dieser wirkt zumindest sehr sicher auf mich. Das Zimmer war natürlich noch nicht bezugsbereit, aber wir konnten die Koffer zur Aufbewahrung zurück lassen und marschierten anschließend mit unseren Rucksäcken bepackt in die Innenstadt.
Das Wetter wechselte heute die ganze Zeit zwischen Nieselregen, Starkregen und Sonnenschein herum. Irgendwie erinnerte mich das stark an das irische Wetter, nur der Wind konnte hier nicht so an.


Wir ließen es ganz gemütlich angehen, da meine Mama sich auch noch das Knie beleidigt hatte vor zwei Tagen und somit etwas vorsichtiger unterwegs war. Der erste Eindruck von Vilnius - viele Kirchen und entspanntes Volk.



Als sich kurz nach Mittag der nächste stärkere Schauer über uns ergoss, flüchteten wir in ein Lokal, wo wir unseren Hunger stillten. Für Mama gabs Hendlspieß, für mich so etwas wie „Erdäpflpuffer“.


Anschließend machten wir noch ein paar Souvenirläden unsicher, bevor wir am Kathedralplaz unsere geführte Stadttour starteten. Ich hatte wieder eine Freewalking Tour gebucht, wo die Guides am Ende der Tour auf Trinkgeldbasis bezahlt werden. Mit diesen Touren hatte ich schon in ganz Europa gute Erfahrungen gemacht und wir sollten auch in Vilnius nicht enttäuscht werden.


Violeta unser Guide führte uns mit gut 20 anderen Leuten durch die gesamte Altstadt, wobei wir einige Dinge über Vilnius und Litauen lernten. Unter anderem das Vilnius auch die Stadt der Kirchen genannt wird, da hier rund 70 katholische Kirchen zu finden seien. Ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass Vilnius jetzt nicht besonders groß ist. Auch ein Hund war Teil unserer Gruppe, der aber aufgrund seines fortgeschrittenen Alters im Rucksack herum getragen wurde.



Vorm Präsidentenpalast hatten wir das Glück beim Fahnenwechsel zusehen zu können, der normal nur zwei Mal wöchentlich stattfindet. Auch der Präsident verließ genau zu dieser Zeit seinen Arbeitsplatz Richtung Heinat.



Litauen wird auch das Land des Regens genannt, was wir sogleich hautnah miterleben durften, da es kurz sturzbachartig vom Himmel regnete. Violeta meinte, dass sei ganz normal in 20min ist das im Normalfall wieder vorbei und so wars dann auch.


Sie erklärte uns auch die verschiedenen Baustileinflüsse der baltischen Hauptstädte. Vilnius hätte italienischen, Riga deutschen und Tallinn schwedischen Einfluss. Basketball sei der Nationalsport hier und Biber gelten bei ihnen als Fisch und nicht als Fleisch. Somit dürften auch die ganz katholischen freitags “Biberfleisch“ essen. Ob die Geschichte von früher stammt oder auch noch jetzt so praktiziert wird, habe ich dann nicht mehr hinterfragt, da ich ohnehin keinen Biber essen würde.


Zwei wichtige Naturprodukte, die hier verarbeitet werden sind Leinen und Bernstein. An jeder Ecke findet man Läden, wo diese Stoffe zu unterschiedlichsten Produkten verarbeitet wurden. Eventuell mussten wir uns hier natürlich auch etwas davon sichern. Auch Reste der Stadtmauer zeigte uns Violetta und einen wunderschönen Ausblick auf die Innenstadt.



Wir kamen auch noch bei einem Art Portal vorbei, wo eine Kamera hing. Dieses Portal steht in mehreren verschiedenen Ländern unter anderem Irland, Philippinen, Brasilien und UK. Man kann hier quasi Menschen aus diesen Ländern live zu winken. Eine komplett nette Idee wie ich finde, die zu Covidzeiten entstand.
Wir kamen auch in das Künstlerviertel Uzupis, welches sogar eine eigene Verfassung besitzt. Die goldene Regeln dort: Lächeln und kein Stress. Die Verfassung mit den über 40 weiteren Regeln, hängt in einer Gasse in allen möglichen verschiedenen Sprachen. Das mit dem Lächeln fand ich besonders spannend, da die Menschen hier eher nach folgendem Motto leben: You can't smile for no reason.





Eigentlich findet man ja in ganz Vilnius überall Wandmalereien oder witzige Skulpturen versteckt.
Nach der wirklich interessanten Stadtführung wagten wir noch kurz einen Blick in drei der umliegenden Kirchen, die innen komplett unterschiedlich aussahen.





Anschließend waren wir aber echt fertig für heute. Es war Zeit im Quartier einzuchecken und uns auszuruhen, da der Tag echt schon verdammt lange andauerte. Unser Zimmerblick geht genau auf den Bahnhof, wo zum Glück ja nicht gerade oft ein Zug vorbeikam, wie wir schon die Erfahrung gemacht hatten. Das Zimmer war groß und hatte sogar einen kleinen Balkon. Wir fielen aber beide bald hundemüde ins Bett.


Am nächsten Tag wurden wir vom Sonnenschein geweckt. Ganz entspannt starteten wir in den Tag, wobei ich den Tagesplan erst kurzfristig erstellte. Ja auch das kann ich mittlerweile.
Um Mamas Kunstliebe zu befriedigen, liefen wir zuerst in eine Art Betriebs- bzw. Wohngebiet, wo die Fassaden mit künstlerischen Bildern verziert waren. Ich muss ehrlich gestehen, diese beeindruckten mich auch.








Dann spazierten wir zum Gediminas Turm, wo es grobe Pflastersreine hoch ging, die Mamas Beine ordentlich herausforderten, aber wir hatten ja keinen Stress und absolvierten den Aufstieg ganz gemütlich. Oben angekommen, wurden wir mit einem schönen Ausblick auf ganze Vilnius belohnt. Hier konnte man auf der einen Seite des Flusses die Altstadt und auf der anderen Seite den modernen Teil erspähen. Eigentlich hätte es ja auch einen Lift hoch gegeben, aber diese Blöße wollte sich meine Mama nicht geben. Also meinen Ehrgeiz dürfte ich wohl von ihr haben.










Der moderne Teil war unser nächstes Ziel. Entlang des Wassers spazierten wir hinüber, um die Stadt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.










Anschließend liefen wir noch in einem Park herum, wo wir eine Hochzeit und ein paar Kinder mit Holzfloßen im Wasser spielen beobachten konnten.




Danach war es Zeit etwas zum Essen zu finden, wobei wir in Uzupis fündig wurden. Wir kamen zufällig an dem Lokal vorbei, wo einige Sitzplätze durch Schaukeln ersetzt wurden. Klar, dass ich da sofort Platz nehmen wollte. Diesmal gabs eine Art Gemüseauflauf für mich und eine Portion Pommes mit Gemüse für Mama.







Anschließend schlenderten wir noch etwas in diesem Künstlerviertel herum, bevor wir unseren entspannten Heimweg antraten. Gut 25.000 Schritte hatte meine Uhr am Ende zusammen gebracht. Ich war stolz auf Mama, dass sie das heute so gut geschafft hatte.











Morgen heißt es früher auf, da wir morgens unsere Weiterreise per Bus nach Riga antreten werden.




